Wenn einst dies geschlecht sich gereinigt von schande

Wenn einst dies geschlecht sich gereinigt von schande
Vom nacken geschleudert die fessel des fröners
Nur spürt im geweide den hunger nach ehre:
Dann wird auf der walstatt voll endloser gräber
Aufzucken der blutschein . . dann jagen auf wolken
Lautdröhnende heere dann braust durchs gefilde
Der schrecklichste schrecken der dritte der stürme:
Der toten zurückkunft!

Jean Paul

Wenn uns Stets-wandrern und die heimat schmälend
Zu ihr die liebe schönerer nachbar würgt
So rufst du uns zurück—verlockend quälend
Du voll vom drange der den Gott verbürgt.

In dir nur sind wir ganz: so wirkt kein weiser
Der grauen gaue zwischen meer und kolk. .
Du sehnenvoll des heitren südens preiser—
Wie unser breites etwas schlaffes volk.

In trübem dämmer bergend stahl und zunder
Draus gluten fahren grell und schillernd mild
Du bist der führer in dem wald der wunder
Und herr und kind in unsrem saatgefild.

Kannst du das Leben nicht lebendig leben

Kannst du das Leben nicht lebendig leben,
Statt über diesen feuerntrunknen Farben
Auf schwarzem Fittich alten Grams zu schweben?

Venedig fiel und seine Helden starben!—
Doch sieh, der Markusplatz ist lauter Feuer
Und wirft ins Wasser tausend Strahlengarben.

Hier schwimmt die Lust und wirft hinweg das Steuer,
Hier wehn der Schönheit jugendlichste Lichter
Um alter Meister herrlichstes Gemäuer.

Da unten aber wohnt es dicht und dichter;
Und zwingt dich nicht zum reizenden Vergessen
Die Lebensfülle strahlender Gesichter?

Caucasus, Der

Mir zu Häupten Wolken wandeln,
Mir zur Seite Luft verwehet,
Wellen mir den Fuß umspielen,
Thürmen sich und brausen, sinken.—
Meine Schläfe, Jahr umgauklen,
Sommer, Frühling, Winter kamen,
Frühling mich nicht grün bekleidet,
Sommer hat mich nicht entzündet;
Winter nicht mein Haupt gewandelt.
Hoch mein Gipfel über Wolken
Eingetaucht im ew gen Äther
Freuet sich des steten Lebens.

An die Meisten

Ist denn alles ganz vergebens?
Freiheit, Ruhm und treue Sitte,
Ritterbild des alten Lebens,
Zog im Lied durch eure Mitte
Hohnverlacht als Don Quixote;
Euch deckt Schlaf mit plumper Pfote,
Und die Ehre ist euch Zote.

Ob sich Kampf erneut', vergliche,
Ob sich roh Gebirgsvolk raufe,
Sucht der Klüg're Weg' und Schliche,
Wie er nur sein Haus erlaufe.
Ruhet, stützet nur und haltet!
Untersinkt, was ihr gestaltet,
Wenn der Mutterboden spaltet.

Aurore triste, L'

L' AURORE a la pâleur verdâtre d'une morte,
Elle semble une frêle et tremblante Alkestis
Qui, les pas vacillants, vient frapper à la porte
Où l'amour l'accueillait en souriant, jadis.

Elle a quitté les flots qui roulent des étoiles,
Les jardins nébuleux où dort Perséphoné,
Ceinte de pavots blancs et vierge sous les voiles,
Et le doux crépuscule au sourire fané.

Freiheitsklänge

B ÖHMENS Volk! In demen Kreisen
weckt ein neuer Genius
alte, heiße Freiheitsweisen,
und die mahnen nicht mit leisen
Worten, daß dein Fesseleisen
ganz zerschmettert werden muß.

Diese Streitpoeten blasen
lockend; und in Stücke haun
kannst du, Volk, in deinem Rasen
des Gesetzes Marmorvasen,
doch du kannst aus ihren Phrasen
keine Zukunft dir erbaun.

Bitte um Frieden

Soll denn gar kein Frieden werden,
Nimmt der Krieg denn noch kein End?
Unsre Länder sind verheeret,
Städt' und Dörfer abgebrennt;
Jammer überall und Not
Und dazu auch mehr kein Brot.

Friedrich, o du großer König,
Stecke doch dein Schwert nun ein,
Denn wir haben nur noch wenig,
Was dir könnte dienlich sein:
Alles wüste, alles leer—
Länger geht das so nicht mehr.

Einem Musiker

Den alten Meister würdig zu geleiten.
Am Tag, den uns ein Gott heraufbeschwor,
Umgebe ihn von allen Seiten
Ein auserlesner Jünger Chor
Heut für mein leichtes Schiffchen, das ihn führt,
Sind zwei beinah schon mehr, als sich gebührt:
Sonst wär ich edler Namen wegen
Aus Schwaben wahrlich nicht verlegen.

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